Grundsätzliche Überlegungen


Die Wahrnehmung, dass viele Menschen heute ein vertieftes Bedürfnis nach einem spirituellen Leben haben - wenn auch nicht im konventionell kirchlichen Sinne -, und die Kenntnis davon, dass es zwar viele neue Wege, aber auch altes mystisches Wegwissen gibt, das zur Begegnung mit dem führen kann, was Hildegard von Bingen das "lebendige Licht" genannt hat, hat zur Vision unserer Scivias-Arbeit geführt.

Für diese Arbeit, die Menschen heute - Christen und Nichtchristen - auf ihrer spirituellen Wegsuche anleiten und begleiten will, ist das Wissen der Mystiker/innen über den inneren Zusammenhang zwischen Spiritualität und Ethik (visio et actio) grundlegend. Die Bewahrung der Schöpfung, die Schaffung von Frieden und Gerechtigkeit und der Umgang mit Medien in der globalen Welt verlangen heute nach Verhaltensweisen, die spirituell verankert sein müssen, bzw. die nur durch das bewirkt werden können, was Hildegard von Bingen "Ordnung der Kräfte" (ordo virtutum) genannt hat.

Unsere Scivias-Arbeit geht davon aus, dass spirituelles Lernen und Lehren immer im Verbund mit künstlerischen Ausdrucksformen steht. Denn beides - Spiritualität und Kunst - stellen die zwei Seiten schöpferischen Tuens dar: das eine ist das Licht oder die Quelle, die nach Ausdruck verlangt und das andere ist die Gestalt, die ihre Lichtquelle spüren und benennen möchte. Daher arbeiten am Scivias-Institut grundlegend Theolog/inn/en, Künstler/innen und Therapeut/inn/en und andere Fachkräfte in Teamarbeit zusammen und entwickeln in einem Dialog auf Augenhöhe eine spirituell-künstlerische Bildungsarbeit, die Seele, Leib und Sinne, eben den ganzen Menschen ansprechen möchte.